Ein persönlicher Streifzug durch das sinnliche Universum einer radikal empfindsamen Autorin
Es gibt Autorinnen, die man liest – und solche, denen man lauscht. Marguerite Duras gehört zu Letzteren. Ihre Sprache ist kein Werkzeug, sie ist ein Zustand. Flirrend, verlangend, schmerzlich schön. Wenn ich ihre Texte lese, atmen sie mich ein. Und ich atme aus – Erinnerung, Lust, Verlust.
Duras war widerspenstig. Ihre Sätze sind reduziert bis zur Schmerzgrenze, aber sie tragen die Hitze eines tropischen Nachmittags in sich. Zwischen den Zeilen liegt eine Zärtlichkeit, die mich oft unvorbereitet trifft. Und dann bleibt dieser Nachhall – als hätte jemand nicht mit mir gesprochen, sondern mich gestreift.
In Der Liebhaber, Hiroshima, mon amour, Moderato Cantabile ist die Liebe nie einfach. Nie heil. Sie ist durchzogen von Macht, Scham, Geschichte – und gerade deshalb so menschlich. Duras zeigt: Begehren ist kein Konsum, sondern ein Wagnis. Ein Schwebezustand zwischen Ekstase und Verstummen.
Was mich besonders an ihr berührt, ist ihre Kompromisslosigkeit im Fühlen. Ihre Protagonistinnen schweigen, aber sie sagen alles. Sie sind nicht stark im klassischen Sinn. Aber sie sind empfindsam. Und das ist vielleicht das Radikalste, was man als Frau sein kann – in einer Welt, die Härte belohnt.
Ich lese Duras nicht, um Antworten zu finden. Ich lese sie, um die Sprache des Begehrens neu zu lernen. Ihre Literatur ist kein Ort, an dem ich mich ausruhe. Es ist ein Ort, an dem ich mich spüre.
Vielleicht liebe ich sie deshalb so sehr.
